Barrierefreiheit ist in aller Munde – aber woher weiß ich eigentlich, ob meine eigene Website zugänglich ist? Die gute Nachricht: Einen ersten Eindruck kannst du dir selbst verschaffen, ohne Fachwissen und ohne Budget. Ich zeige dir ein paar einfache Tests und kostenlose Werkzeuge, mit denen du die gröbsten Barrieren schnell aufspürst. Und ich zeige dir auch, wo die Grenzen dieser Selbsttests liegen.
Der schnellste Test: nur die Tastatur
Lege die Maus beiseite und bewege dich mit der Tab-Taste durch deine Seite. Mit Enter folgst du Links, mit der Leertaste oder Enter bedienst du Schaltflächen, mit Escape schließt du Menüs. Achte dabei auf drei Dinge: Erreichst du wirklich alles – auch Menüs, Formulare und Buttons? Siehst du jederzeit, wo du gerade bist (ein sichtbarer Rahmen um das aktive Element)? Und lässt sich alles auch wieder schließen? Für viele Menschen ist die Tastatur der einzige Weg, eine Website zu bedienen – und dieser kurze Test macht schnell sichtbar, wo sie dabei ausgebremst werden.
Der Zoom-Test
Vergrößere die Seite im Browser auf 200 % (meist mit Strg + „+“ bzw. Cmd + „+“). Bleibt der Text lesbar, verrutscht nichts, verschwinden keine Inhalte hinter anderen? Gerade Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen vergrößern Seiten dauerhaft, oft auf 200 Prozent oder mehr. Deine Inhalte sollten dabei vollständig lesbar und bedienbar bleiben – ohne dass Text abgeschnitten wird, Inhalte sich überlagern oder du waagerecht scrollen musst. Die WCAG fordern genau das.
Kostenlose Werkzeuge für den einfachen Einstieg
- Silktide Accessibility Checker – eine kostenlose Erweiterung für Chrome und Edge und mein Tipp für den Einstieg. Sie prüft die Seite auf über 200 Punkte (nach WCAG 2.2), erklärt in einfacher Sprache, warum etwas ein Problem ist, und bringt etwas Besonderes mit: Simulationen. Du kannst damit sehen, wie deine Seite für Menschen mit Farbenblindheit, Sehschwäche oder Legasthenie wirkt, und einen Screenreader-Simulator nutzen. Das schafft nicht nur Ergebnisse, sondern auch Verständnis.
- WAVE (von WebAIM) – gibt es in zwei Varianten: als Online-Test, bei dem du einfach deine Web-Adresse auf wave.webaim.org eingibst, und als kostenlose Browser-Erweiterung für Chrome, Firefox und Edge (offiziell von WebAIM, direkt aus dem jeweiligen Browser-Store). Beide markieren die Probleme direkt mit Symbolen auf der Seite – ideal, um auf einen Blick zu sehen, wo es klemmt.
- Lighthouse – steckt bereits in Chrome (in den Entwicklertools) und gibt dir mit einem Klick einen Barrierefreiheits-Wert und eine Liste der gefundenen Probleme. Schnell für einen groben Überblick.
Einen Screenreader erleben
Am meisten lernt man, wenn man die eigene Seite einmal so erlebt, wie ein blinder Mensch sie nutzt – vorgelesen von einem Screenreader. NVDA ist unter Windows kostenlos, VoiceOver ist auf dem Mac schon eingebaut.
Zugegeben: Ein Screenreader ist am Anfang ungewohnt und braucht etwas Übung. Du musst ihn aber nicht gleich selbst beherrschen, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Schau und hör dir zum Einstieg dieses kurze Video an – es zeigt, wie ein Screenreader eine Website vorliest. Wenn du es dann selbst ausprobierst, achte darauf: Ergibt die Reihenfolge Sinn? Weiß man bei jedem Button und jedem Bild, worum es geht? Das ist ungewohnt, aber unglaublich lehrreich.
Wichtig: Was diese Tests nicht leisten
Eines solltest du dabei aber wissen: So hilfreich diese Werkzeuge sind – verlass dich nicht allein auf sie. Automatisierte Tests finden je nach Schätzung nur rund 30 bis 40 Prozent der Barrieren einer Website. Den größeren Teil kann keine Software beurteilen, weil es dabei auf den Sinn ankommt: Steht bei einem Bild ein aussagekräftiger Alternativtext oder nur irgendeiner? Sind die Überschriften nicht nur vorhanden, sondern auch verständlich und logisch aufgebaut? Lässt sich die Seite mit einem Screenreader wirklich sinnvoll nutzen? Das prüft am Ende ein Mensch.
Sieh diese Selbsttests also als das, was sie sind: ein guter erster Überblick, der den Blick schärft und die offensichtlichsten Barrieren zeigt. Eine verlässliche, vollständige Einschätzung ersetzen sie nicht.
Und dann?
Wenn du mit diesen Tests erste Schwachstellen entdeckt hast, ist das schon ein wichtiger Schritt. Für eine belastbare, vollständige Einschätzung übernehme ich das Prüfen gern für dich: Ich teste Websites nach den Kriterien der WCAG und der BITV. Und wenn du zunächst nur einen schnellen, unkomplizierten Eindruck möchtest, gibt es meinen eigens konzipierten Kurztest für barrierefreie Websites.